Aus dem Ortsverein 2002

Tegemheim. (hw) Die Ehrung langjähriger Mitglieder und verdienter Parteifunktionäre sowie ein Gastreferat der SPD-Bundestagsabgeordneten Erika Simm standen im Mittelpunkt des erstmalig durchgeführten Ehrenabends der Tegernheim Sozialdemokraten. In seiner Begrüßung begründete Vorsitzender Reinhard Peter die Änderung mit dem Hinweis, dass die Ehrungen in der jeweiligen Jahresversammlung aufgrund der zahlreichen Regularien meist zu kurz gekommen seien.

Ziel eines eigenen Ehrenabends sei es, so Peter, "mehr den Menschen und weniger die Politik" in den Mittelpunkt zu stellen. Dennoch konnte sich der Vorsitzende einen Hinweis auf die zur Zeit heftig diskutierte Finanzlage der Kommunen nicht verkneifen. Neben den durch die Steuerreform der Bundesregierung bedingten Einnahmeausfällen belaste auch die CSU-Staatsregierung in München die Kommunen massiv, führte Peter aus. Der Freistaat schulde den Gemeinden und Städten mittlerweile sechs Milliarden nicht ausgezahlter Zuschüsse. Belastend wirke auch der in den Jahren von 1988 bis 1998 gestiegene Schuldenberg um 72 Prozent.

Peter forderte einen finanziellen Strukturausgleich zugunsten der, Kommunen sowohl vom Bund wie auch vorn bayerischen Staat. Als wenig befriedigend bezeichnete er das Bundestagswahlergebnis in Tegernheim mit knapp über 27 Prozent.

Die alte und neue Bundestagsabgeordnete Erika Simm dankte zu Beginn ihrer Ausführungen allen Mitgliedern, die im Wahlkampf aktiv für die Ziele der Sozialdemokratie eingetreten seien. Obgleich das Abschneiden in Bayern nicht zufrieden stellen könne, habe die Rot-Grüne-Regierungskoalition die Wahl gewonnen. Im Gegensatz zu den vor allem von der Opposition immer wieder erhobenen Vorwürfe des Wahlbetrugs, habe die SPD und Bundeskanzler Schröder eigentlich nur drei Punkte versprochen: Förderung von Ganztagsschulen mit vier Milliarden Euro, Vorlage eines ausgeglichenen Staatshaushalts bis zum Jahre 2006 und Verschiebung der Steuerreform um ein Jahr zugunsten der Hochwasseropfer.

"Keine endgültigen Beschlüsse"

Aufgrund der zwischenzeitlich vergrößerten Haushaltslücke und niedriger Konjunkturprognosen hätten sich die Koalitionsverhandlungen allerdings schwieriger als erwartet erwiesen. Im Gegensatz zu vielen Presseberichten sei aber bisher "noch keine Sparmaßnahme endgültig beschlossen, aber vieles auf den Prüfstand gekommen", so Simm, unter anderem die Steuerbefreiung für Flugbenzin ebenso wie die Eigenheimzulage.

Zum Abschluss ihrer Ausführungen dankte Simm allen Geehrten für ihre langjährige Mitgliedschaft und zum Teil tatkräftige Mitarbeit und wünschte dem Ortsverein einen Schub beim Mitgliederzuwachs wie im Jahre 1972, dem Jahr der Wahl Willy Brandts zum erstem SPD-Bundeskanzler.

Anschließend ehrten die Bundestagsabgeordnete und Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Peter für 30 Jahre Mitgliedschaft Lothar Göhring, Siegfried Kindl, Elfriede und Günther Rieger, Georg Wack und Heinrich Müller. Letzteren bezeichnete der Vorsitzende als "wort- und schreibgewaltigen Tegernheimer Sozialdemokraten", der unter anderem als Ortsvereinsvorsitzender, Gemeinderat- und Fraktionssprecher sowie auch im Unterbezirk gewirkt hat.

In einem kurzen Redebeitrag erinnerte Müller an seine Beweggründe, als junger Mann 1972 in die damalige Reform-SPD einzutreten. Er bedauerte, dass die heutige SPD für ihn fast zu modern geworden sei und zitierte zur Begründung einige Aussagen aus dem Godesberger Programm zur Wirtschaftspolitik. In Erinnerung brachte er auch manch positives Ergebnis der SPD-Regierungstätigkeit. Für die Zukunft wünschte er sich vor allem im Hinblick auf die Jugend mehr politische Mitsprache von der Basis.

Eine Ehrung für 25 Jahre Mitgliedschaft erfuhr Hedwig Rempter; für 20 Jahre Treue dankten Simm und Peter Andrea Greiner-Schmid. Ein besonderer Dank, verbunden mit einem persönlichen Geschenk galt dem Ersteller des Internetauftritts des Ortsvereins Joachim Graf, der mittlerweile die Seiten komplett umgestaltet hat und sich ständig auf dem laufenden hält. Mit dem Ehrenbrief sowie einem persönlichen Schreiben der SPD-Schatzmeisterin Wettig-Danielmeier dankten der Ortsverein und die Partei August Breu. Er verwaltet seit über 30 Jahren ohne Fehl und Tadel die Kasse.

Ehrenbrief für Werner Laudehr

Den Ehrenbrief sowie die Willy-Brandt-Verdienstmedaille für seine politische Arbeit erhielt auch Werner Laudehr. Er gehörte nicht nur 24 Jahre dem Gemeinderat an, sondern bekleidete auch 13 Jahre lang das Amt des Fraktionssprechers, trotz hoher beruflicher Anforderungen, sagte Reinhard Peter in seiner Würdigung. Dabei sei er stets "kritisch und zukunftsorientiert" gewesen, wie zuletzt bei der Initiierung des Sportplatzbaus am Hohen Sand.

In einer kurzen Stellungnahme sagte Laudehr, dass ihm die Arbeit im Gemeinderat viel gegeben habe, zwar nicht materiell, dafür aber ideell. Vieles von den politischen Zielen für seine Heimatgemeinde sei oft trotz großen Widerstandes erreicht worden. Gleichzeitig bedauerte er, dass gerade das politische Ehrenamt mehr Gegnerschaft als Freunde mit sich bringe. Persönlich habe er bei seinem Rückzug aus der Gemeindepolitik nach dem Grundsatz gehandelt, "nicht am Amt zu kleben und aufzuhören, wenn es am schönsten ist".

(Bericht der Donau-Post vom 1. November 2002)

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3. Bürgermeister Reinhard Peter, August Breu, Werner Laudehr und Bundestagsabgeordnete Erika Simm